Die theologische Lehre von der unsterblichen Seele vor dem Hintergrund der Diskussion in den Neurowissenschaften

  • The theological doctrine of the immortal soul in the light of the discussion in neuroscience

Scheyda, Gerhard; Lüke, Ulrich (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2014)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2014

Kurzfassung

Die Arbeit beschäftigt sich in 8 Kapiteln mit den Ergebnissen des Wandels der theologischen und philosophischen Wege von Seele als materiellem Objekt zu Seele als mentalem Objekt. Das 1. Kapitel zeigt die Entwicklung einer Seelekonzeption, die in der christlich-griechisch-römischen Antike noch weitgehend vom platonischen Dualismus zehrt. Erst mit Augustinus kann sie das platonische Erbe abwerfen. Das augustineische Seelekonzept prägt die Theologie bis ins frühe 13. Jahrhundert. Eine neue Sicht bietet erst Thomas von Aquin durch die Adaption des aristotelischen Hylemorphismus. Im 2. Kapitel wird die aristotelisch-thomanische anima-unica-forma-corporis Lehre und ihre Konsequenzen für die aktuelle Theologie vorgestellt. Das 3. Kapitel referiert das Seeleverständnis der Neurowissenschaften und versucht zu klären, wann und unter welchen Umständen dieses Verständnis dem Seeleverständnis nahe kommt, wie es in der christlichen Tradition gewachsen ist. Kapitel 4 beurteilt die Chancen zur Lösung des Leib-Seele-Problems als Gegenüberstellung und Abwägung von monistischen und dualistischen Theorieangeboten. Als Ertrag des Vergleichs der Positionen ergibt sich die Formel "Dualismus in der Ideologie, Monismus in der Ontologie", da sich auch hinter scheinbar offenen Ansätzen eines geistig-seelischen Agens in Wahrheit ein monistischer Materialismus verbirgt. Das 5. Kapitel bewertet abschließend warum der Naturalismus mit seinen wissenschaftstheoretischen Postulaten bei der Lösung des Leib-Seele-Problems kaum eine Hilfe sein kann. Dazu werden die im 4. Kapitel vorgestellten Theorien unter die Rubrik "Naturalismus" subsumiert", um zu einer Bewertung zu gelangen. Das ehemals vollmundige Versprechen unter dem der Naturalismus angetreten ist, das Leib-Seele-Problem zu überwinden, konnte bisher jedenfalls von keiner seiner Spielarten eingelöst werden. Das 6. Kapitel fragt nach dem Verhältnis von Naturalismus und Theologie. Gemäß dem naturalistischen Wissenschaftsideal ist Theologie keine Wissenschaft, weil dieses den Naturalismus als "Weltanschauung" voraussetzt und damit den Gottesgedanken ausschließt. Beide Erkenntnisdisziplinen beruhen jedoch auf Voraussetzungen. In seiner wissenschaftlichen Argumentation ersetzt der Naturalismus das Wort "Gott" durch den Begriff "Natur". Trotz aller Bedenken gegen den Naturalismus ist er eine wichtige Kritikinstanz für die Theologie, wenn er sie auffordert, Antworten auf seine Fragen, z.B. nach der Erschaffung der Seele, nicht auszuweichen. Das 7. Kapitel: "Seele - was könnte das sein?" überführt die bisher gewonnenen Erkenntnisse in eine direkte Gegenüberstellung theologischer und naturalistischer Aussagen über die Seele. Als vorrangige Erkenntnisquelle dient der Theologie für den phylogenetischen Beseelungsakt hier die Bibel (Gen.2,7). Als naturwissenschaftliche Erklärung für den phylogenetischen Beseelungsakt wird der Zeitraum aus der Prähistorie angesetzt, in der für den Hominiden ein Transzendenzbezug bzw. eine "Gottesrelation" nachweisbar ist. Als ontogenetischer bzw. individualer Beseelungsakt wird die Verschmelzung von Samenzelle und Ei als frühestmöglicher Zeitpunkt des vollen Menschseins expliziert. Wegen des beständigen Wandels des materiellen Körpers auf Grund des Metabolismus kann dieser natürlicherweise nicht Träger der personalen Identität des Menschen sein, diese kann nur von der Seele her gedacht werden. Aus der "Hinterbliebenen-Perspektive" ist der physische Tod der "Jüngste Tag". Der irdische Leib zerfällt, während die Seele, die personale und biographische Identität des Menschen in sich bewahrt. Tod und Vollendung geschehen "zeitjenseitig" im selben Augenblick. Die Auferstehung im Tod ist keine Alternative zur Auferstehung des ganzen Menschen am jüngsten Tag, sie ist vielmehr identisch mit dieser. Das 8. Kapitel beinhaltet eine Zusammenfassung der Arbeit.

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