Historische Theologie

Reformationsjubiläum 2017

Kirchengeschichte an der RWTH Aachen

Die Mitarbeiter des Arbeitsgebiets Kirchengeschichte am Institut für Katholische Theologie der RWTH Aachen University beteiligen sich mit einem breiten Spektrum von Aktivitäten auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene an den Feierlichkeiten zum und wissenschaftlichen Perspektiven auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Im Einzelnen sind dies folgende Publikationen, Vorträge und andere reformationsbezogene Aktivitäten der Jahre 2016 bis 2018: Reformationsjubilaeum_Kirchengeschichte_KT_RWTHAachen

Kontroverstheologie im Kontext. Theologisches, politisches, soziales und mediales Umfeld der Luthergegner im albertinischen Sachsen (1519-1539)
Prof. Dr. Bernward Schmidt

Der sächsische Herzog Georg der Bärtige gehörte zu den schärfsten Gegnern Martin Luthers und jeder reformatorischen Strömung. Zeit seines Lebens blieb er romtreu, allerdings auch romkritisch und forderte vehement Reformen in der Kirche ein. An seinem Hof und in seinem Territorium wirkten etliche Theologen, die sich kritisch, polemisch oder irenisch mit der Wittenberger Reformation auseinandersetzten und den Herzog in seinen Bemühungen unterstützten. Die reformationshistorische Forschung hat diese Seite der Reformationsgeschichte bislang recht stiefmütterlich behandelt, auch wenn in den vergangenen gut 100 Jahren eine ganze Reihe Studien zu einzelnen Kontroverstheologen und ihren Ansichten erschienen sind.

Die hier betriebenen Studien zielen im Gegensatz dazu darauf ab, nicht so sehr einen einzelnen Theologen, sondern vielmehr die Kontexte des kontroverstheologischen Arbeitens in den Blick zu nehmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei natürlich die Religionspolitik Herzog Georgs, die die Rahmenbedingungen vorgab. Wesentliche Erkenntnisse sind jedoch auch vom Ansatz der Netzwerkanalyse zu erwarten, der es zugleich erlaubt, inhaltliche Schwerpunktsetzungen und Akzentverschiebungen, wie sie sich mehrfach beobachten lassen, schärfer zu fassen. Darüber hinaus muss der Umgang der Kontroversisten mit den Medien, insbesondere dem Druck und der Bildsprache thematisiert und ihr Verhältnis zu Luther diesbezüglich genauer bestimmt werden. So verkauften sich ihre Schriften zwar nicht so gut wie diejenigen Luthers, der Dresdner Hoftheologe Hieronymus Emser und der Leipziger Universitätsprofessor Hieronymus Dungersheim waren sich aber wohl schon früher als Luther über den Wert einer rein äußerlich erkennbaren “Markenidentität” im Klaren.

Derartige Studien können nur im Horizont des ökumenischen Dialogs stattfinden. Ein wesentliches Ziel der Forschungen ist es, die Gegner Luthers als Teil des komplexen Prozesses zu beschreiben, der heute “Reformation” heißt und keineswegs nur die Reformatoren umfasste. Auf diese Weise können auch vorschnelle und unzutreffende konfessionelle Festlegungen vermieden werden.

Theologien der Kirche im Kontext der Konzilien der Neuzeit
Prof. Dr. Bernward Schmidt

Theologie der Kirche muss sich nicht zwingend auf den dogmatischen Traktat der Ekklesiologie beschränken. Vielmehr zeigt sie sich beispielsweise auch in der Reflexion auf Liturgie oder das Verhältnis der Kirche zu den je aktuellen Gesellschaften. Auch die Feier eines Konzils selbst kann mit ihrem Symbolgehalt zur Ausdrucksform eines bestimmten Kirchenbilds werden.
Die Konzilien der Neuzeit von Trient (1545-1563) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) markieren diesbezüglich nur scheinbar Brüche; viel häufiger stehen sie in einer longue durée von Kontinuitäten. Diese Frage nach Kontinuitäten und Brüchen als Teil der Studien wird Gegenstand einer Vortragsreihe am Institut für Katholische Theologie und eines Studientages in Kooperation mit der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen im Wintersemester 2013/14 sein.
Zum Thema sind bereits erschienen: Bernward Schmidt, Die Konzilien und der Papst. Von Pisa (1409) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), Freiburg: Herder, 2013; Bernward Schmidt / Hubert Wolf (Hgg.), Ekklesiologische Alternativen? Monarchischer Papat und Formen kollegialer Kirchenleitung (15.-20. Jahrhundert), Münster: Rhema, 2013; Bernward Schmidt (Hg.), Kontinuitäten und Brüche. Trienter Konzil und Zweites Vatikanisches Konzil im Gespräch, Aachen 2015.


 

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